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Wenn einer eine Reise tut, nach Berlin etwa, wie in meinem Fall zum diesjährigen Kommunikations-Kongress, konnte er bzw. sie von dort die folgenden Informationen mit nach Hause nehmen:
 
1.     Social Media führt zu Kontrollverlust
2.     Sascha Lobos Freundin hat zuhause die Schlappen an
3.     Sony entwickelt gerade Kontaktlinsen, mit denen man Videospiele in 3D erleben kann (toll!)
4.     Wer zuviel twittert, bekommt nichts vom Vortag mit.
 
Wer hätte das gedacht? Alle, die sich jetzt schon zuviel im WWW herumtreiben, dürfen geschockt sein: Wer zu viele (persönliche) Informationen im Netz freigibt, fördert den Kontrollverlust über seine eigene Identität. Oder er nimmt es einfach in Kauf, dass jemand anderes, wildfremdes, eine Identität aufbaut, über die er nicht mehr selbst bestimmen kann. Genau dieses Problem haben Prominente wie Sascha Lobo, Deutschlands bekanntester Blogger und Indikator dafür, dass aggressive Frisuren nicht auf einen ähnlich gebildeten Charakter schließen lassen. Übrigens schon wieder so ein Bild, das durch die Medien geprägt ist, ich gebe es gerne zu. Fast ängstlich erklärt dieser, dass jeder, der im Social Web unterwegs ist, den Kontrollverlust akzeptieren muss. Die Frage sei nur, wie man damit umgehe.
 
Gott sei Dank ist der Mensch immer noch ein selbstbestimmendes Wesen, der eigenmächtig entscheiden kann, was er von sich ins Internet stellen will oder nicht. Zumindest dieser Punkt ist also kontrollierbar. Was andere aus und mit einem machen - sei es dahingestellt, ob die Information ursprünglich von uns freigegeben worden ist, oder nicht - steht jedoch auf einem anderen Blatt und wird eines der wichtigsten Themen der Medienbranche der Zukunft sein. Nicht nur für uns als Einzelpersonen, sondern auch für ganze Staaten oder Interessengemeinschaften jedweder Art, die meinen, ihr Bild im Social Web steuern zu können. Bei Lobos daheim postet die Freundin, jetzt Verlobte, die Verlobung jedenfalls auf Facebook. Hat die wohl nicht richtig zugehört.
 
Alfredo Triviño von News International bestätigt dann das, was Technikbegeisterte gar nicht freuen wird. Nachdem er akribisch eine Tablet-Version mit allen erdenklichen interaktiven Finessen für The Times entwickelt hat, bleibt die Erkenntnis, dass weniger mehr ist. Mehr inhaltlich sinnvoller Content, weniger Schnickschnack. Da helfen langfristig auch die 3D-Kontaktlinsen nicht weiter, die Spiele-Süchtige gerade bei Sony zusammenbasteln.
 
Unterdessen versuche ich, einige dieser neu gewonnen Erkenntnisse an unsere Twitter-Community weiterzugeben und siehe da, schon wieder den Faden verloren. Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, bezeichnet diese Tweets am Ende der Veranstaltung übrigens als Null-Nachrichten. Sie hat vollkommen Recht. Ich twittere trotzdem weiter, zum Beispiel dass Dagmar Reim Tweets als Null-Nachrichten bezeichnet. Könnte ja jemanden der Daheimgebliebenen interessieren. Ich beschließe, dass Twitter trotzdem einer der wichtigsten Nachrichtenverteiler der Welt ist (siehe Arabischer Frühling), ich aber voll und ganz verstehen kann, wenn sich die Frau Intendantin lieber auf die wesentlichen Dinge des Lebens konzentrieren will.
 
Nach zwei spannenden Tagen steige ich also mit einigen neuen Erkenntnissen und noch viel mehr Denkanstößen zurück in den Flieger, wo ich die Erlebnisse noch einmal Revue passieren lasse. Während unsere kleine Bombardier eine Schleife über das abendliche Berlin fliegt, kommen mir noch zwei weitere, jedoch weniger elementare Erkenntnisse:
 
5.     (Die meisten) Menschen, die in der PR arbeiten, haben schöne Klamotten
6.     Berlin hat die größte Dichte an beleuchteten Fußballplätzen Deutschlands.

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